Kontext
Eine Whisky-Destillerie ist ein ungewöhnlicher Bauherr für ein keramisches Gewerk. Heiße Dampfabgabe aus den Pot Stills, Kondenswasser, gelegentliches Überlaufen während der Fass-Abfüllung, Führungen mit Gruppen in Straßenschuhen — die Anforderungen an die Bodenflächen sind in sich widersprüchlich. Für die Slyrs Destillerie in Schliersee haben wir 2019 einen Materialkanon entwickelt, der Produktion, Besucherführung und Verkaufsraum zusammenhält, ohne den Charakter des Hauses zu überformen.
Die Materialentscheidung
Der Produktionsbereich rund um die Brennerei liegt auf Granitboden im Industrieformat. Das Material bringt die nötige Widerstandsfähigkeit gegen Temperaturwechsel und Reinigungsmittel mit, ist in R11-Rutschklasse ausgeführt und verträgt auch das Rollen schwerer Fässer. Wir haben einen einheimischen Granit gewählt, der die Farbpalette des bestehenden Hauses aufgreift.
Der Besucherweg durch die Brennerei führt an Naturstein-Wänden vorbei. Hier haben wir mit spaltrauhen Platten aus einem oberbayerischen Bruch gearbeitet — das Material ist regional verankert und setzt optisch einen Kontrapunkt zur Technik der Destillationsanlage. Als Akzent in den Zwischenzonen vor dem Shop kommt ein warmer Cotto zum Einsatz, traditionell gebrannt und in handgeschnittener Verlegung. Der Shop selbst liegt auf robustem Feinsteinzeug, das den hohen Publikumsverkehr verträgt und gleichzeitig eine ruhige Grundlage für die Präsentation bildet.
Umsetzung
Wir haben das Projekt in vier Bauabschnitten abgewickelt, damit der Produktionsbetrieb in Teilbereichen weiterlaufen konnte. Für die Granitverlegung rund um die Stills war die Koordination mit dem Kupferschmied und dem Anlagenbauer zentral — die Fugen folgen exakt den Achsen der Anlagensockel. Fehler wären hier nicht nur optisch ärgerlich gewesen, sondern hätten Reinigungs- und Wartungsroutinen dauerhaft gestört.
Die Cotto-Zone vor dem Shop verlangte Geduld. Cotto ist ein lebendiges Material — Farbe, Saugverhalten und Kantenverlauf variieren innerhalb einer Charge deutlich. Wir haben die Platten vor der Verlegung gemischt und jede einzelne Reihe vor dem Einbau gelegt. Das Ergebnis ist ein Boden, der nicht uniform wirkt, sondern die Handwerklichkeit sichtbar macht — passend zum Bauherrn.
Ergebnis
Die Destillerie ist seit 2019 erweitert und erweitert im Vollbetrieb, inklusive Besucherzentrum. Die Böden sind in regelmäßiger Beanspruchung durch Führungen und Produktion — und halten sich, wie geplant, mit einer dezenten Gebrauchsspur, die dem Charakter des Hauses entspricht. Für uns ist das Projekt ein Beispiel für Industrie- und Handwerksästhetik, die sich in einem Gesamtkonzept zusammenführen lassen.
Materialien im Überblick
- Granitboden Industrieformat, R11, Brennerei und Produktion
- Naturstein-Wandplatten spaltrau, Besucherweg
- Cotto traditionell gebrannt, Zwischenzonen
- Robustes Feinsteinzeug, Shop und Verkostungsraum